Kinder – rein ins Museum!
Über Museumsarbeit für Kinder.
Anfang der 1990er Jahre, als meine Tochter noch klein war, waren Kinder seltene Gäste in Museen. Museen hatten die Aura von heiligen Hallen, die nur von Kunst- und Kulturkennern frequentiert wurden. Die wenigen Kinder, die dort anzutreffen waren, wurden von ihren Eltern an der Hand geführt und mussten zu den hoch gehängten Vitrinen hinaufgehoben werden, weil sie sonst kaum etwas sahen.
Selbst wenn sie sich ganz sittsam, ruhig und diszipliniert verhielten, wurden sie vom Wachpersonal skeptisch beäugt. Pädagogische Programme gab es damals noch kaum, und wenn doch, dann wurden sie von kleinen, engagierten Grüppchen von außen in die Museen hineingetragen. Die Lage änderte sich schlagartig, als 1994 ein eigenes Museum für Kinder errichtet wurde: das ZOOM Kindermuseum.
Claudia Haas, die Gründungsdirektorin, hatte mit dem Thema Kinder und Museum eine Marktlücke entdeckt. Dank ihrem Engagement ist es ihr gelungen, aus einer kleinen Grassroot-Organisation in kürzester Zeit ein florierendes Museum mit jährlich 110.000 Besuchern aufzubauen. Das ZOOM wurde zum Vorreiter in Sachen Museumsarbeit für Kinder, und die Wiener Museumslandschaft ist viel kinderfreundlicher geworden. Mittlerweile gibt es in fast allen Wiener Museen gute Kinderprogramme, und durch die Säle laufen Hunderte von Schulkindern. Marktführer ist allerdings das ZOOM. Viele nationale und internationale Institutionen wenden sich an das ZOOM, um sich beim Aufbau ihrer Kinderprogramme beraten zu lassen.
Es gibt aber noch immer einen wesentlichen Unterschied zwischen dem ZOOM und allen anderen Wiener Museen: Im ZOOM stehen die Kinder im Mittelpunkt. Sie werden nicht als Publikum von morgen betrachtet, sondern als Publikum von heute! Ausgangspunkt aller Aktivitäten sind ausschließlich die Interessen und Bedürfnisse der Kinder: Kinder betrachten Dinge anders als Erwachsene, sie lernen im Spiel, mit dem ganzen Körper und mit allen Sinnen, sie greifen die Objekte an und experimentieren mit ihnen.
Auf diese spezielle Form des Lernens gehen die Ausstellungen ein, indem sie Aktions- und Spielräume schaffen, die eigenständiges Tun nicht nur zulassen, sondern auch fördern und evozieren. Das ZOOM ist ein besonders niederschwelliges Museum. Es leistet in Wien einen wesentlichen Beitrag dazu, dass auch Kinder aus museums- und bildungsfernen Schichten schon früh ein Museum betreten.
Dr. Elisabeth Menasse-Wiesbauer
Direktorin ZOOM Kindermuseum
MuseumsQuartier Wien


