Die Kunst des Fernsehens
In Wien gehören Kunst und Fernsehen zusammen.
Auf den ersten Blick ist die Sache ziemlich klar: Das Fernsehen ist ein unglaublich starker Multiplikator. Das gilt für Kühlschrankhersteller ebenso wie für Kunstproduzenten.
Das Fernsehen erzeugt Aufmerksamkeit wie kein anderes Medium, da können Internet-User noch so viel bloggen und twittern und die alte Tante TV belächeln.
Auflagen- und Besucherzahlen vervielfachen sich nachweislich, wenn die Kameras dabei sind. Erst wenn du im Fernsehen bist, bist du auf der Welt.
So weit, so gut. Aber gehen Kunst und Fernsehen tatsächlich zusammen? Die eingehende Betrachtung und das flüchtige Medium? Sind die Rezeptionsmuster beim Kunstbetrachten und Fernsehen nicht völlig unterschiedlich, ja gegensätzlich?
In der Tat kann das minutenlange Verweilen vor einem ausgestellten Bild etwas überaus Beglückendes sein, während wir Fernsehmacher glauben, hunderte Bilder in einer Minute liefern zu müssen. Zeit ist Geld, Wissen ist Macht – also rein mit den Informationen in die Newsminute. Diese Getriebenheit hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten dermaßen zugespitzt, dass wir nur noch mit einer zerhackten, fragmentarischen Medienrealität konfrontiert sind. Wir erfahren alles, wissen aber wenig und begreifen nichts mehr.
Das macht die Kunst zum Thema, indem sie zum genaueren Hinschauen animiert. Sie wirkt der Bilderflut mit starken Einzelbildern entgegen.
Sie lenkt den Blick auf die Schichten unter der Oberfläche. Sie schärft die Wahrnehmung. Sie ist Anregung und Korrektiv. In diesem Sinne wird die Kunst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen immer eine Plattform haben. Weil wir sie ebenso benötigen wie sie uns.
Kultur im ORF
> kultur.montag
> Montag um 22:30
> aviso Sonntag um 9:00
> matinee Sonntag um 9:30
> dok.film Sonntag um 23:00
> kultur in der zib Täglich in allen Ausgaben
Martin Traxl
Leiter ORF TV-Kultur




